WRC Finnland: Im Weltmeisterbesiegerauto!

Der Motorsport ist voll mit spannenden Geschichten, Emotionen und magischen Momenten. Einige davon gerieten über die Jahrzehnte in Vergessenheit. Doch was ich am vergangenen Wochenende in Finnland geniessen durfte, wurde zum Erlebnis für den Rest meines Lebens. Die Hyundai Motor Company lud ein und 10 Motorsport-Blogger aus der ganzen Welt hielten den Atem an. Denn im Rahmen dieses einzigartigen Events kam es am Montag zu einem sensationellen Höhepunkt, der nur schwer in Worte zu fassen ist. Hyundai-Werksfahrer Haydon Paddon lieferte mir einen Ritt der absoluten Extraklasse. Auf einem Rallyeauto, das Geschichte geschrieben hat!

20150803_093441ALZ-WR 45! Ein Blick auf das Nummernschild des Hyundai i20 WRC reichte. Mein Herz klopfte um einiges schneller und der Puls beschleunigte sich. Vor einer Reithalle mitten in den finnischen Wäldern stand er. Das Weltmeisterbesiegerauto aus dem Jahr 2014! Der Werks-Hyundai, mit dem Thierry Neuville vor einem Jahr die Rallye Deutschland gewinnen konnte. Dem Hyundai Shell World Rally Team gelang damals in Trier gar ein grandioser Doppelsieg mit Dani Sordo auf dem zweiten Rang.

300 aufgeladene Pferdchen warteten auf den Ausritt, kontrolliert und pilotiert vom Neuseeländer Hayden Paddon. Und das der Kiwi das Rallyefahren glänzend beherrscht, bewies Hayden in diesem Jahr beim WM-Lauf auf Sardinien. In einer durch Hitze und Staub extrem harten Rallye liessen sich der 28 Jahre alte Kiwi und sein 56-jähriger Copilot John Kennard nicht vom heranstürmenden Weltmeister beeindrucken. Auf einer Welle der Symphatie heizten Paddon und Kennard den Hyundai i20 WRC über den sardischen Schotter. Immerhin, Paddon fuhr auf einen sensationellen zweiten Rang hinter Sebastien Ogier. Thierry Neuville wurde im Schwesterauto dritter! Am vergangenen Wochenende in Finnland klappte es für Hayden allerdings nicht ganz nach Wunsch. Nach einem heftigen Abflug am Freitag hatte Hayden den Rest des Wochenende frei.

MMF_2368Am Montag waren Hayden und unser Testwagen wieder in perfekter Verfassung. Eine Abordnung des Hyundai Shell World Rally Teams mit Mechanikern und Service-Crew kümmerte sich liebevoll um Mensch und Maschine. Öl und Benzin für den Allradler, Kaffee, Snacks, kühle Getränke und ein paar beruhigende Worte für die aufgeregten Zweibeiner. Denn mal ehrlich: Wann hat man im Leben schon einmal die Chance, in einem Rallyeauto mit Volldampf über eine echte finnische Wertungsprüfung katapulitert zu werden? Spätestens beim Blick in das Zelt, das die Umzugskabinen, die Overalls, die HANS-Systeme und die Helme beherbergte, wurde jedem klar. This Is For Real! Aber es sollte noch viel besser kommen! Mit viel Liebe zum Detail präparierte die Crew rund um Teamchef Michel Nandan das Auto. Selbst die Aufkleber mit den Namen der Co-Driver waren vorbereitet. Ein kurzes Briefing und dann war es soweit. Ausgestattet mit Overall, Helm und HANS-System kletterte ich in den i20 WRC, freudig begrüßt von Hayden. Auf mich wartete eine 3,8 Kilometer lange Schotterpiste. Die ehemalige WP ‚Yijäläntie‘ war bestens präpariert und die Show konnte beginnen! Festgezurrt im Auto gab ich Hayden das Signal, so wie es sich für einen Freund des gepflegten Motorsports aus dem Dorf an der Düssel gehört: „Hayden, let this ship fly!“ Und Hayden liess es fliegen…

Interessant ist der Fakt, das der i20 WRC nicht so spurtgewaltig ist. Die 1,2 Tonnen kommen zwar schnell auf Speed, die Beschleunigung auf Schotter ist in den unteren Gängen aber ein wenig zäh. Dafür verantwortlich ist die Fahrwerksabstimmung und die Bereifung. Auf Asphalt sehen die Werte dann schon ganz anders aus. Der Vorjahreswagen verfügt auch nicht über die modernen Schaltwippen. Hayden musste im Auto ein wenig mehr arbeiten, als dies im 2015er i20 WRC nötig ist. Wenn dann allerdings der Speed erreicht ist, fliegt das Auto regelrecht über den Schotter und verhält sich absolut stabil. Auch das Aufsetzen nach den Sprüngen war weniger hart als erwartet. Zwar sahen die Jumps und Drifts vom Copilotensitz kinderleicht aus, allerdings braucht es schon einen äußerst erfahrenen Piloten, um mit diesem hohen Tempo über schmale Schotterpfade zu heizen, wie Hayden es am Montag mit mir praktiziert hat. Ich und auch meine halbwegs rallyeerfahrenen Kollegen hier im Dorf ziehen ganz tief den Hut. Dieser Ritt war absolut phänomenal! Wie übrigens die gesamte Tour. Doch dazu dann am Samstag mehr!

Fotos (c) Michael Minelli, Jens Schneider, Stephan Kremer

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