DTM Lausitzring: Audi drückend überlegen!

Von wegen Mercedes-Strecke! Audi war am Lausitzring drückend überlegend. Jamie Green gewann gleich beide Rennen und die Marke mit den vier Ringen holte sich am Samstag einen Vierfachsieg. Am Sonntag legten die Ingolstädter noch einen drauf und sicherten sich einen historischen Fünffachtriumph. Die Konkurrenten hatten das Nachsehen. Mercedes kam am Lausitzring nicht an Audi heran. BMW erlebte ein Debakel!

A153278_largeJamie Green hat am Lausitzring beide Rennen gewonnen. Souverän bezwang der Brite am Samstag den Teamkollegen Edo Mortara, den er in einem sehenswerten Manöver, dazu noch ohne Klappflügel, vom ersten Platz verdrängte. Am Sonntag ließ Green den hartnäckigen Mattias Ekström hinter sich. Nach­dem Green am Start vom ers­ten auf den zwei­ten Platz zu­rück­ge­fal­len war, ge­lang ihm in der achten Run­de das ent­schei­den­de Über­hol­ma­nö­ver. An­schlie­ßend konn­te der Brite ei­nen klei­nen Vor­sprung her­aus­fah­ren und sich auch nach ei­ner Safe­ty-Car-Pha­se kurz vor Ren­nen­de gleich wie­der ab­set­zen. Audi zeigte auch am zweiten DTM-Wochenende der Saison zwei überragende Rennen und bestätigte seine Überlegenheit, die sich bereits in den Qualifyings abzeichnete. Jamie Green war in beiden Abschlußtrainings der schnellste Mann. Am Sonntag holte sich Green die Pole sogar mit mehr als einer halben Sekunde Vorsprung. Vieles deutet daraufhin, das sich der Audi RS5 DTM bereits zum Beginn der Saison zum echten Überauto entwickelt. So gut wie 2015 ist Audi bisher noch nie in eine DTM-Saison gestartet.

Mercedes-Benz durchlebte in der Lausitz ein schwieriges Wochenende. Speerspitze Pascal Wehrlein kam im Samstagsrennen auf den fünften Rang und war damit bester Nicht-Audi-Pilot. Am Sonntag wurde Daniel Juncadella diese Ehre zuteil, der sich mit dem sechsten Rang zufrieden geben musste. Dabei lief der Spanier im Rennen auf Edo Mortara auf und fühlte sich ungerecht behandelt: “ Am Ende habe ich Mortara angegriffen. Sein Manöver empfand ich nicht als 100% fair. Er verteidigte sich komplett auf der Innenseite, das ist in Ordnung. Ich bremste dann sehr spät und versuchte es außen herum. Für mich sah es so aus, als ob er in mich reingelenkt und mir keinen Platz gelassen hätte. Deshalb musste ich in die Wiese ausweichen“, sagte Juncadella nach dem Rennen. Realistisch betrachtet war die Aktion zwischen Juncadella und Mortara allerdings keine Aufregung wert. Die beiden lieferten sich einen netten Fight, Juncadella zog den kürzeren und das war es auch schon. Das Juncadella enttäuscht war, kann man verstehen. Schließlich hatte Mercedes hohe Erwartungen an das Rennen, ging aber bis auf ein paar Pünktchen leer aus. Der Grund war offensichtlich: Die Stuttgarter kämpften an beiden Tagen mit den Reifen, die einfach nicht arbeiten wollten. Ein Problem, mit dem am Wochenende auch BMW zu kämpfen hatte.

Die Bayern stehen nach dem vierten Saisonlauf bereits mächtig unter Druck. Nur Maxime Martin erreichte in beiden Läufen die Punkteränge. Der Belgier wurde am Samstag siebter, musste sich aber Sonntag gar mit dem achten Rang zufriedengeben. Mehr war für BMW einfach nicht drin. Zu groß sind die Probleme mit den Hankook-Einheitsreifen, die allen BMW-Piloten Kopfzerbrechen machten. BMW Motorsport Direktor Jens Marquard brachte das Reifendilemma auf den Punkt: „Wir schaffen es nicht, über die Gesamtdistanz das Performance-Maximum aus den Reifen zu holen. Das ist anders als das, was wir bei den ersten Wintertests analysieren konnten. Dafür müssen wir nun die Gründe untersuchen!“ Bei BMW spricht man das Wort ‚Krise‘ zwar nur hinter vorgehaltener Hand aus, doch Timo Glock prophezeite bereits am Samstag eine sieglose Saison für die BMW-Teams. Möglicherweise hätten die Testfahren helfen können, die diese Woche auf dem Lausitzring geplant waren.

Doch die sind erstmal abgesagt. Die DTM begründete den Schritt in einem Statement: „Die für Dienstag und Mittwoch geplanten Testfahrten auf dem Lausitzring wurden verschoben. Gemeinsam mit dem DMSB und der ITR einigten sich die in der DTM vertretenen Hersteller am Sonntagabend auf dieses Vorgehen. Der Hintergrund dafür ist, dass der derzeit eingesetzte Reifen in seinem Verhalten bei einer Vielzahl der Teams von bekannten Erfahrungswerten abweicht. Die ITR hat Reifenpartner Hankook um eine detaillierte Analyse und zeitnahe Klärung gebeten. Erst dann sind weitere Testfahrten sinnvoll!“

Fazit: Jamie Green nimmt offensichtlich Kurs auf die Meisterschaft, selbst wenn es noch ziemlich früh in der Saison ist. Die zwei Wertungsläufe am Lausitzring waren allerdings eher unspektakulär. Greens Überholmanöver am Samstag und sein Zweikampf mit Ekström am Sonntag können als die eigentlichen Höhepunkte durchgehen. Fast könnte man meinen, das Audi die Saison bereits jetzt im Alleingang beherrschen will. Die Ingolstädter profitieren jetzt von ihrer Arbeit bei den Wintertests. Ausserdem harmoniert der RS5 geradezu perfekt mit den Hankook-Einheitspneus. Doch bereits jetzt richten sich alle Augen auf den Saisonhöhepunkt. Am Norisring (27. und 28. Juni) werden die bisher so überlegenen Audi noch mehr Performancegewicht zuladen müssen. Ob das ein kleiner Trost für Mercedes und BMW ist? Ich fürchte eher nicht!

alle Fotos (c) Audi AG, BMW AG, Daimler-Benz AG